Krankengeschichte 33 - Migräne oder Borreliose? - Die unerkannte Krankheit von Zecken - Borreliose

Borreliose 24
Mehr Hilfe durch Informationen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Krankengeschichte 33 - Migräne oder Borreliose?



Krankengeschichte Borreliose 33

Migräne oder Borreliose?

Im April diesen Jahres, bekam ich plötzlich Augen-flimmern. Zunächst dachte ich an eine Überlastung durch Bildschirmarbeit und Stress, denn seit genau einem Jahr arbeitete ich nun auf der neuen integrierten Rettungsleitstelle und starrte, je nach Schicht, 6 bis 12 Stunden auf 4 Monitore. Da ich bald Urlaub hatte, das Augenflimmern aber nicht weniger wurde, begab ich mich zum Augenarzt. Dieser stellte fest, dass meine Augen völlig in Ordnung waren und das Augenflimmern nach seiner Aussage nur das Symptom einer anderen Erkrankung wäre. Seine offizielle Diagnose lautete " Migraine ophtalmique". Mit dieser Diagnose ging ich zu meinem Hausarzt und berichtete ihm von dem Augenflimmern.

Können die schrecklichen Kopfschmerzen auch von einer Borreliose durch einen Zeckenbiss stammen?

Mein Hausarzt überwies mich sofort an einen Neurologen. Sofort heißt aber, dass man zunächst einmal 2-3 Wochen auf einen Termin warten muss, was im Übrigen die gängige Wartezeit bei Fachärzten zu sein scheint. Auch dem Neurologen berichtete ich nun von meinem Augenflimmern, welches zwischenzeitlich (war ja bereits 1 Monat vergangen) mit Kopfschmerzen auftrat und sich inzwischen von 2-3 Mal wöchentlich auf 5-6 Mal täglich ausgeweitet hatte. Auch er war der Ansicht, es könne sich nur um eine Form der Migräne handeln und ohne eine weitere Untersuchung war er der Ansicht, ich sollte doch mal Betablocker einnehmen und ausprobieren, ob diese gegen die Symptome helfen würden. Erst als ich das energisch ablehnte und ihm! mitteilte, dass das ja keine vorübergehenden Anfälle mehr wären, sondern schon fast ein Dauerzustand wurde er nachdenklich, kam aber zu keiner anderen Diagnose.

Daraufhin sprach ich ihn auf meinen Verdacht einer Borreliose an, den mein Vater geäußert hatte, da er bereits vor 10 Jahren eine Borreliose hatte. Diese Möglichkeit der Ursache für meine Symptome missfiel dem Neurologen nun sichtlich und unglaubwürdig fragte er mich, ob ich denn kürzlich von einer Zecke gebissen worden sei. Da aus seinem ganzen Verhalten zuvor klar wurde, dass er keinen Test machen lassen würde, wenn ich seine Frage nicht mit "Ja" beantworten würde, gab ich ihm die gewünschte Antwort. Diese war auch nicht gänzlich erfunden, da ich die Jahre zuvor immer mal wieder von einer Zecke gebissen worden war, da ich Angler bin und zwangsläufig an den Uferregionen auch immer Zecken sind. Zur Verwunderung des Neurologen viel dieser Bluttest jetzt positiv aus und den Werten nach, ging das Labor von einer Borreliose 1. oder 2. Grades aus. Sofort überwies mich der Neurologe in eine neurologische Fachklinik, mit der Begründung, man müsse zum 100%igen Nachweis meiner Lyme-Borreliose eine Lumbalpunktion machen.

Nach der Lumbalpunktion im Krankenhaus fiel die Nervenwassser-Untersuchung jedoch negativ aus und man schloss nun eine Borreliose gänzlich aus. Behauptete mir gegenüber auch, dass die Blutuntersuchungen im Krankenhaus keinen Verdacht auf Borreliose bestätigen würden. Sämtliche neurologischen Untersuchungen waren negativ und man äußerte erneut den Verdacht auf Migräne oder eine besondere Form von Epilepsie. Auch hier sprach man die Empfehlung von Betablockern aus und entließ mich wieder nach Hause. Am nächsten Tag ging ich dann mit meiner Lebensgefährtin und unserem Hund im Wald spazieren. Plötzlich wurde mir sehr schwindelig und ich verlor den Halt. Mit Mühe kam ich gerade so aus dem Wald, wo mich eine neue Schwindelattacke ereilte und ich mich erneut auf dem Boden wieder fand. Die letzten 500 m holte mich meine Lebensgefährtin dann mit dem Auto ab und kaum zuhause angekommen, ereilte mich der dritte Anfall innerhalb einer halben Stunde.

Mit dem Rettungswagen fuhr man mich dann wieder in die Klinik. Dort verbrachte ich eine schlaflose Nacht in der Notaufnahme und außer einer Blutuntersuchung und einem erneuten neurologischen Test erfolgte nichts im Krankenhaus. Obwohl mir immer noch schwindelig war, entließ man mich aus dem Krankenhaus, mit dem Hinweis, ich solle mehr trinken. Natürlich war Wochenende und kein Arzt erreichbar, folglich verbrachte ich das Wochenende nur mit ausruhen zuhause und dauerndem Schwindel, der aber nicht mehr ganz so heftig war. Von meinem Hausarzt wurde ich nun von einem Facharzt zum nächsten überwiesen. Es folgten Kardiologe, HNO-Arzt, Orthopäde und natürlich CT und MRT. Alle fanden ein wenig, aber nichts, was den Schwindel erklären würde. Da ich immer noch den Verdacht der Borreliose hegte und mir die Erklärung aus dem Krankenhaus nicht einleuchteten, konnte ich meinen Hausarzt zumindest zu einer 28tägigen Antibiotikagabe überreden. Dadurch linderten sich meine Symptome etwas. Das Augenflimmern trat nur noch selten auf und auch meine Brustschmerzen, die ich zwischenzeitlich hatte, waren weg. Kopfschmerzen und Schwindel blieben aber.

Erst nach 6 Wochen erhielt dann mein Hausarzt den Bericht aus der Klinik. Nun schloss auch er eine Borreliose gänzlich aus, obwohl die Blutuntersuchung entgegen der Behauptung mir gegenüber, auch im Krankenhaus positiv war. Nur die Nervenwasseruntersuchung war negativ. Zwischenzeitlich hatte ich mich dann aber im Internet informiert und bin auf eine Privatärztin in Hamburg gestoßen, die sich u. a. auf Borreliose spezialisiert hat. In einem Telefonat erklärte sie mir, dass sie nach den Blutergebnissen und meinen Symptomen von einer Borreliose ausgehe. Einen weiteren Test könne sie aber erst in 8 Wochen machen, da ich zwischenzeitlich Antibiotika bekommen habe und dieses jeglichen Test verfälschen würde. Obwohl mein Hausarzt ebenfalls mit der Ärztin aus Hamburg telefoniert hatte, glaubte er eher der Aussage des Klinikums und schloss eine Borreliose gänzlich aus, mit der Begründung man hätte keinerlei Entzündungswerte gefunden. Eigenartigerweise sind aber bei der Blutuntersuchung meine Thrombozyten und auch die Leukozyten erhöht.

Nachdem ich dann erneut zuhause mit einem massiven Schwindelanfall umgekippt bin, wollte er mich dann erneut an einen Kardiologen überweisen, um eine Kreislaufursache auszuschließen. Daraufhin platzte mir der Kragen und ich forderte ihn auf, mich in die Uniklinik einzuweisen, wo man mich komplett durchchecken sollte. Aber auch die fanden trotz zahlreicher intensiver Untersuchungen keinen nachweisbaren Befund. Was ich nicht wusste, ist die Tatsache, dass die Uni-Klinik keine Untersuchung auf Borreliose gemacht hat, da man das ja aufgrund des Befundes der neurologischen Klinik von vornherein ausschloss. Die Uni kam dann auch zu dem Ergebnis einer vestibulären Migräne mit optischer Aura. Noch immer bin ich von dem Befund nicht überzeugt, da ich täglich kurze Schwindelattacken habe, mit fast ständigen Kopfschmerzen. Das Augenflimmern tritt auch wieder häufiger auf und es kommen neuerdings auch Lichtblitze vor. Noch immer gehe ich von einer Borreliose aus, da beide Blutuntersuchungen positiv waren und bin jetzt mal gespannt auf die Diagnose der Privatärztin am 6. Oktober.

Nur zur Erinnerung, die ersten Symptome traten im April auf und seit Mai bin ich dauerhaft krankgeschrieben, da man so ja nun wirklich nicht arbeiten kann. Hätte ich gewusst, dass die Trefferquote bei einer Lumbalpunktion nur bei 20-30 % liegen soll, hätte ich bei den möglichen Risikofaktoren wie (Querschnittslähmung und Infektion) das niemals machen lassen und man hätte die Borreliose dann auch nicht permanent ausgeschlossen und mir das Leben damit deutlich schwieriger gemacht, denn als kein Arzt etwas fand, war natürlich alles psychosomatisch. Nur weiß ich aus jahrelangen Erfahrungen, dass ich unter Stress immer zuerst mit dem Magen und dem Darm reagiere und es gibt keinen vernünftigen Grund, warum das plötzlich anders sein sollte, zumal ich seit April keinem Stress mehr ausgesetzt bin, außer den geschilderten Symptomen. Medikamente gegen die angebliche Migräne bekomme ich übrigens noch immer nicht, da ich zunächst erstmal einen Schmerzkalender führen soll, um die Medikamente dann anpassen zu können.

Ergänzung:

Ich habe jetzt von meinem Neurologen die Medikamente Sumatriptan 50mg als Notfalltablette bei Kopfschmerz- und Schwindelanfällen bekommen. Ist ein Migränetherapeutikum. Diese Tablette habe ich vorgestern das erste Mal benötigt, da ich dachte, dass mir der Kopf gleich platzen würde. Die Tablette hatte tatsächlich innerhalb von 5-10 Minuten geholfen. Die Kopfschmerzen waren schlagartig weg. Als Nebenwirkung hatte ich lediglich eine geringfügige Übelkeit.

Zusätzlich soll ich aber auch noch ein Antiepileptikum 25 mg täglich einnehmen und das dann pro Woche um 25 mg steigern. Bei diesem Mittel wird mir schon beim Durchlesen der Packungsbeilage schlecht. Das Teil hat mehr sehr häufige und häufige Nebenwirkungen, als es nutzen haben soll. Unter sehr häufig (mehr als 1 von 10) Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtsabnahme, Gedächtnisstörungen, Appetitverlust, Verwirrtheit, Angst, Depressionen, psychomotorische Verlangsamung, Sprachstörungen, ungewöhnliche Hautempfindung, unsichere Bewegungen, Sehstörungen.

Die Liste für häufig ist genauso lang. Ich habe dieses Medikament als Dauermedikation bekommen, weil man ja von einer Migräne mit optischer und vestibulärer (Gleichgewichtssinn) Aura ausgeht. Ich habe heute morgen nur eine einzige Tablette eingenommen und mir ist extrem schwindelig. Werde die Dinger sofort wieder absetzen, denn ich brauche keine Medikamente, die meinen Zustand noch verschlimmern. Denn die Symptome die ich habe, sind deutlich geringer, als die Nebenwirkungen des Medikaments. Das dieses Medikament bei Migräne überhaupt verschrieben werden darf, finde ich schon unglaublich.

Ergänzung 2:
Ich war nun Anfang Oktober 2011 bei der Privatärztin Frau Gullans, übrigens eine sehr nette Frau Mitte 50, mit einer wirklich schönen Privatpraxis. Die Praxis hat eher eine Wohnzimmeratmosphäre.
Frau Gullans hat sich aber sehr viel Zeit (über eine Stunde) für meine Untersuchung genommen und auch sehr viele Fragen zu mir und meiner Person gestellt. Es ging bei der Untersuchung gar nicht im speziellen um die Borreliose und nach der Untersuchung war auch sie sich nicht sicher, ob es eine Borreliose oder doch eine Form der Migräne sei. Viel mehr hat sie durch ihre ganzen Fragen und meinen Antworten dazu eine ganzheitliche Untersuchung gemacht und äußerte zusätzlich den Verdacht, dass ich auch noch unter einer Lebensmittelallergie leiden könnte, da viele Symptome die ich geschildert hatte, darauf hindeuten würden.

Zunächst war ich selbst äußerst skeptisch, als sie mich zu einem weiteren Bluttest überreden wollte, da dieser ja auch wiederum mit nicht gerade geringen Kosten für mich verbunden sind, da ich als Kassenpatient die Tests alle aus eigener Tasche bezahlen muss. Trotzdem willigte ich in diesen Test ein, da mir ihre Begründung logisch und schlüssig erschien.

Gestern Abend rief sie mich dann an und teilte mir zunächst die Ergebnisse mit, die sie mir auch bereits als Mail geschickt hatte.

Bei dem LTT (Lymphozytentransformationstest) teilte sie mir mit, das man ab einen Messwert von 3 bereits von einer Borreliose ausgehe. Mein Wert liegt bei 18.
Ferner teilte sie mir mit, dass neben der Borreliose auch noch eine Ehrlichiose festgestellt wurde. Ebenfalls eine bakterielle Infektion die durch Zecken übertragen wird und ähnliche Symptome wie eine Borreliose verursacht.

Bei dem weiteren Bluttest wurde vom Labor eine Mitochondriopathie und eine Lebensmittelunverträglichkeit gegen Gluten, sowie Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Paprikagewürz, schwarzem Pfeffer, Lachs, Thunfisch, Vollei und Kuhmilch festgestellt, was wahrscheinlich dafür verantwortlich ist, dass ich ständig müde und schlapp bin und Nachts ständig wach werde, weil ich dauernd Harndrang habe.

Ehrlich gesagt hat das Ergebnis sogar Frau Gullans erschrocken und nachdem ich mich nun ein wenig über die anderen festgestellten Erkrankungen informiert habe, bin auch ich mehr als erschrocken, weil das eine Kombination ist, die schlimmer kaum sein könnte. Denn nicht nur die Borreliose und die Ehrlichiose greifen mein Immunsystem extrem an, sondern die Mitochondriopathie und die bisher ständig zu mir genommenen Lebensmittel sorgen dafür, dass sich mein Körper ständig selbst bekämpft.

Am Donnerstag habe ich dann einen Termin bei Frau Gullans, wo wir dann die Therapie besprechen.

Trotz der nun eindeutigen Diagnose und meiner ganzen Skepsis gegenüber der Ärztin, die ich ja bisher nur von Telefonaten kannte, bin ich wirklich froh, dass ich gegen den Widerstand einiger Schulmediziner und dem Abraten aus meinem persönlichen Umfeld, diesen Schritt gegangen bin und mich an Frau Gullans gewandt habe. Auch die Kosten, die ich noch gar nicht komplett überblicken kann, sind erstmal nebensächlich. Wichtig ist mir erstmal nur, dass ich eine klare, eindeutige Diagnose habe und nun mit der geeigneten Therapie die Krankheiten bekämpfen kann und endlich eine Ärztin gefunden habe, die sich Zeit nimmt, mir zuhört und ihr ganzes Wissen und ihre Erfahrung einsetzt, um mir zu helfen und mich nicht nach ungefähr 2 Minuten Behandlung an den nächsten Arzt überweist, weil eben die Kasse nur bestimmte Minuten pro Patienten bezahlt.

Auch wenn ich jetzt vor dem nächsten gewaltigen Problem der Lebensmittelallergie stehe, die ja bisher nicht einmal ansatzweise von einem der vorangegangenen 10 Schulmedizinern diagnostiziert wurde, bin ich froh, dass dieser sinnlose Ärztemarathon endlich ein Ende hat.

Wie ich jetzt damit klar komme, dass ich weder Brot, paniertes Fleisch, Frikadellen, Kuchen, Kekse, Müsli und sonstige Mehlspeisen und auch keinen Fisch und keine Milch mehr zu mir nehmen darf, weiß ich noch nicht. Denn wer verzichtet schon urplötzlich auf Sachen, die er immer gerne mochte. Aber auch das haben schon andere vor mir geschafft und leben damit.

Ich ärgere mich weder über die Diagnose noch über die ganzen Entbehrungen die ich jetzt auf mich nehmen muss. Ich ärgere mich aber gewaltig über unser Gesundheitssystem und die verschenkte Zeit bis zu dieser Diagnose.

Mir sind die Worte meines Neurologen, bei dem ich als letztes vor Frau Gullans in Behandlung war noch sehr gut in Erinnerung.

Wörtlich sagte er zu mir: "Sie sind jetzt komplett durchtherapiert, sie müssen sich mit der Diagnose der Migräne abfinden, es gibt keine weiteren Möglichkeiten mehr!"

Sollte ich irgendwann in naher Zukunft die Zeit dafür finden, werde ich mir sicherlich den Spaß machen und alle vorangegangenen Ärzte persönlich fragen, warum sie zu der Fehldiagnose Migräne gekommen sind und die Borreliose aufgrund einer Lumbalpunktion mit maximaler Trefferquote von rund 30 % grundsätzlich ausgeschlossen haben. Denn jeden behandelnden Arzt habe ich auf den ersten positiven Bluttest auf Borreliose hingewiesen und jeder von ihnen hat es nach der Lumbalpunktion ausgeschlossen und mich mehr oder weniger herablassend spüren lassen, dass ich ein lästiger, uneinsichtiger Patient bin. Ich frage mich auch ernsthaft, warum mich eigentlich kein Arzt auf die Möglichkeit eines LTT zur weiteren Abklärung der Borreliose hingewiesen hat, auch wenn dieser Test von keiner Kasse bezahlt wird. Denn dann hätte ich wenigstens die freie Entscheidungsmöglichkeit gehabt. Eigentlich war es pures Glück, dass ich irgendwo im Internet in einem Bericht zu Borreliose auf Frau Gullans gestoßen bin und nach weiteren Recherchen im Netz dann ihre Anschrift und Telefonnummer gefunden habe und Frau Gullans mir dann am Telefon bereits bestätigte, dass meine Symptome auf eine Borreliose schließen lassen. Ich frage mich, wie es wohl älteren Menschen, wie meinen Eltern in einer vergleichbaren Situation ergeht, die gar keinen Internetanschluss haben und sich damit auch nicht mehr zurecht finden würden. Die sind doch meiner Meinung diesem Ärztewahnsinn hilflos ausgeliefert.

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü