Krankengeschichte Borreliose 49 - Mein Testament gemacht - Die unerkannte Krankheit von Zecken - Borreliose

Borreliose 24
Mehr Hilfe durch Informationen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Krankengeschichte Borreliose 49 - Mein Testament gemacht



Krankengeschichte Borreliose 49

Mein Testament gemacht


Hallo zusammen, Mit meinen aktuell 29 Jahren sollte ich nur vor Energie strotzen und vor Freude am Leben Saltos schlagen, aber dem ist nicht so. Wie auch die meisten hier, habe ich schon einen langen und für mich sehr schweren Weg hinter mir, den ich heute zum ersten Mal zu Papier bringen möchte… Bis zum November 2011 kannte ich das Wort Krankheit quasi gar nicht. Ich hatte meine Ausbildung mit 1,0 abgeschlossen, meinen Traumjob bekommen, meinen Führerschein, Jagd- und Angelschein im Vorbeigehen mit besten Ergebnissen bestanden… Mein Leben war so perfekt bis zum 25.11.2011. Ich war gerade dabei unser

Nicht immer ist ein Aufenthalt in der Natur harmlos

Aquarium sauber zu machen, als mir plötzlich schwindlig und schlecht wurde. Auf dem Sofa liegend vernahm ich allmählich ein sehr hohes Piepen in meinem linken Ohr. Ich dachte mir noch nichts dabei. Kreislauf… Doch so war es leider nicht. Schwindel und Übelkeit vergingen, das Piepen blieb. Ich ging noch am Samstag zum ärztlichen Notdienst und dieser spülte mir nur mein Ohr aus. Ich hätte zu viel Ohrschmalz. Ich solle ruhig bleiben und zur Not am Montag zum HNO.

Nach zwei schlaflosen Höllennächten stürmte ich telefonisch alle HNO Praxen die die Gelben Seiten hergaben. Bei einem HNO hatte ich letztendlich Glück und ich wurde am Nachmittag dazwischen geschoben. Alle Untersuchungen unauffällig. Nur der Hörtest könnte auf einen kleinen Hörsturz hinweisen. Ich bekam durchblutungsfördernde Tabletten und wurde nach Hause geschickt. Die Tabletten halfen natürlich gar nichts und ich war mittlerweile gut 10 Nächte ohne Schlaf.

Ja in der Notaufnahme im Krankenhaus bettelte ich förmlich nach Schlaftabletten und bekam Baldrian für die Nerven, bevor mich der HNO nach 3 Stunden Wartezeit entnervt aus der Klinik schmiss. Ich stürmte wieder in die Praxis meines HNO. Ich heulte und sagte dass ich nicht mehr schlafen kann mit dem Piepen im Ohr und dass er was machen soll. Er nahm mir nun Blut ab mit dem Verdacht auf Borreliose! Der Test war natürlich negativ und ich bekam 20 Infusionen mit durchblutungsfördernden Mitteln und Kortison. Das alles kostete mich unterm Strich 280 Euro, da die Kasse keinen Knopf übernimmt… Ja, in den nächsten 14 Tagen machte ich noch zwei Neurologen und eine Physiotherapeuten sowie 3 Allgemeinärzte wahnsinnig. Jedoch blieben alle Untersuchungen unauffällig und ich wurde nach 6 Wochen Krankenstand wieder in mein Arbeitsleben entlassen…

Ich nahm die Empfehlung meines letzten Arztes wörtlich, der mir empfahl „Damit müssen Sie leben!“ und kämpfte mich mit Hilfe von Musik durch den Alltag. Nachdem ich mich über Monate wieder auf die Beine kämpfte und den Pfeifton gut ignorieren konnte, traf mich am 25. Oktober 2012 der nächste Anfall morgens in der Arbeit. Ein springender bunter Halbkreis blockierte über eine halbe Stunde mein Gesichtsfeld, bevor er verschwand. Panisch suchte ich die Augenklinik auf. Die Untersuchung blieb ohne Befund… In den nächsten Tagen plagten mich Lichtempfindlichkeit, Augenflimmern, Funkensehen, wie Sandkörner in den Augen und generell eine Überforderung im Sehen.

Ich war noch bei 5 Augenärzten. Zwei davon diagnostizierten eine Weitsichtigkeit und verschrieben mir eine Brille. Alles eine Überlastung der Augen. Der dritte Arzt schickte mich zum Neurologen mit dem netten Hinweis, es könne sich um MS oder einen Gehirntumor handeln. Ich stand erneut tränenüberströmt bei meiner Neurologin in der Praxis, die mich auch sofort dran nahm und mich erneut ausgiebig untersuchte. Alles ohne Befund, jedoch schickte Sie mich zur Sicherheit zum Röntgen meiner HWS und zu einer MRT meines Kopfes. Den Termin bekam ich knapp 2 ½ Wochen später. Ich hatte bis zu diesem Termin schon mein Testament erstellt und überlegt, wer aus der Familie was bekommen solle und wie meine Beerdigung ablaufen solle.

Tja, das MRT war dann Gott sei Dank unauffällig und die anderen Tests auch, sodass MS und Tumor ausgeschlossen wurden. Nun kam doch wahrscheinlich alles von der Wirbelsäule und ich solle mal zur Dorntherapie gehen. Dann wird alles gut! Gesagt und getan ließ ich mir zwei Mal die Woche die Wirbel hin und her schieben. Gebracht hat es nichts außer dass ich wieder 4 mal 18 Euro ärmer war, wegen der Zuzahlung für die Krankengymnastik… Mein Alltag wurde nun immer schwerer. Vor allem der Einstieg nach 2,5 Wochen Arbeitsunfähigkeit war die Hölle. Das Arbeiten am PC war mir fast unmöglich und das sollte sich wenig später noch verschlimmern.

Ca. 3 Wochen später bekam ich Kribbeln in den Beinen, ein komisches Kältegefühl und auch meine Arme und Finger waren wie klamm. Ein Besuch bei einem anderen Neurologen ergab auch hier nichts, außer dass ich zum ersten Mal mit der Verdachtsdiagnose somatisierte Depressionsstörungen konfrontiert wurde. Mein Gesundheitszustand war nicht wirklich gut. Ich war am Boden zerstört und suchte nun im Internet nach erhofften Lösungen und den unmöglichsten Sachen…. Ja die Horrorgeschichten in vielen Foren ließen mich fast zusammenbrechen. Ich hatte plötzlich gefühlte Krankheiten, die ich gar nicht aussprechen konnte…

Wieder bastelte ich an meinem Testament weiter und besorgte eine Vorsorgevollmacht für mich, die ich meiner Mutter übergab. Zu dieser Zeit wechselten meine Beschwerden schon lustig ihr Bild. Einmal ließen mich die Herzschmerzen über 3 Wochen keine Ruhe und ich ging zu einem Kardiologen, dann hatte ich Verdauungsstörungen und ging zu einem Heilpraktiker (Privattherapie mit 28 Spritzen pro Sitzung über 6 Wochen 1800 Euro für die Katz). Mit meiner ständigen Müdigkeit und meinen Kopfschmerzen ging ich erneut zu einem Allgemeinmediziner und auch noch zu einem anderen Heilpraktiker. Der Verdacht lag nun auf meiner Schilddrüse. Radiologe machte ein großes Blutbild. Schilddrüse in Ordnung jedoch Eisen + weiße Blutkörperchen viel zu hoch. Heilpraktiker zweifelte das Blutbild an und ich machte erneut ein privates Schilddrüsenblutbild für 130 Euro. Werte alle Top. Ergebnis? Candida spec. Nova und Verdacht auf Eisenspeicherkrankheit. Weiterüberweisung zum Hämatologen. Test auf Eisenspeicherkrankheit und Ultraschall meiner Organe ohne Befund. Diagnose? Vitamin D Mangel.

Mein Heilpraktiker stürzte sich nun voll auf den Candida und den Vitaminmangel. Ich setzte meine Pille ab und fing an diverse Präparate zu nehmen. Eine neue Therapie machte mir erneut über Monate neue Hoffnung und mich dann letztendlich wieder um 1200 Euro ärmer. Der Erfolg blieb aus. Das einzig gute war, ich nahm durch die Antipilzdiät 25 kg auf 88 kg ab. Tja also weiter gesucht und noch andere Therapeuten/Ärzte kontaktiert. Zwei weitere Versuche mit einem privaten Chiropraktor und einem Allergiearzt brachten nur noch mal 500 Euro miese in die Kasse. Schließlich ließ ich mich dann doch hinreißen, alles was ich habe auf die Psychoschiene zu schieben. Ich telefonierte 68 Psychiater und Psychologen ab. Die Wartelisten waren lang und Termine in 9 Monaten zu haben!

Ich stürzte mich nun erneut auf eine Psychologin ohne Kassenzulassung. Ich war wirklich sehr skeptisch. Sie vertrat für mich den Eindruck, als wäre Sie eine Mischung aus Hippie, Psychologe, Heilpraktiker und Pädagoge. Trotz der Skepsis, war Sie jedoch so ziemlich der einzige Mensch, den es nicht ums Geld ging, sondern um MICH! Sie beantragte extra für mich eine Kassenübernahme und kümmerte sich um alles. Sie war selber (wie ich eigentlich auch immer) nicht davon überzeugt, dass mein ganzes Leiden von der Psyche kommt. Dazu bin ich ihr zu „klar“ im Verhalten und im Handeln. Die Gesprächstherapie und die Bewältigung meiner Probleme halfen und helfen mir bis heute doch ein ganzes Stück weiter. Ich weiß, ich bin nicht allein und Sie ist für mich da. Was manch nicht berechnetes Telefonat um 22 Uhr Abends mit ihr schon zeigte. 4 Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen rieten mir übrigens dazu Antidepressiva zu nehmen. Nur meine Psychologin empfahl mir das nicht!

Alle 4 Präparate liegen trotz der vielen Dinge, die ich unternommen habe, immer noch hier in meinem Medizinschrank. Weiterhin quälen mich noch immer diverse Beschwerden. Zurzeit sind das Sehstörungen mit extremer Lichtempfindlichkeit, wechselnde Schmerzen in diversen Gelenken, Kopfschmerzen, Benommenheit, Vergesslichkeit, Tinnitus, Nachtschweiß, Gereiztheit und mit allem überfordert. Antrieb gleich Null und daraus resultierende Angstschübe, die mich erneut zu einer neuen Allgemeinärztin trieben. Diesmal tat sich jedoch für mich ein riesiges Tor auf, auf der Suche zu meiner Diagnose. Sie hörte sich alles an und fragte mich ob bei mir schon mal ein Borreliose Test gemacht wurde. Ich bejahte und schloss diese Vermutung gleich aus. Der Test war ja negativ! Zwar hatte ich viele Zecken durch meine Jagd, die Angelei und meine Pilzsuchaktionen, aber nie mit Wanderröte! Das kann also alles gar nicht sein!

Sie grinste mich nur an und riet mir mich umgehend an einen Borreliose-Arzt zu wenden und einen LTT Test zu machen, nachdem Sie mir die Treffergenauigkeit der Standartbluttest erklärt hatte. Nun wurde ich stutzig und durchkämmte wieder das Internet. Hatte ich über zwei Jahre das Problem meiner Krankheit in die Schublade gelegt, nur weil der Bluttest nicht zuverlässig war??? Nach einem Telefonat mit einem sehr netten Herrn aus einer Selbsthilfegruppe hier im Kreis, bin ich fast aus allen Wolken gefallen. Er lachte nur und meinte nach meiner 1 stündigen Schilderung meines Leidensweges: „Ich höre da gerade meine eigene Geschichte!“ Morgen habe ich einen Termin bei einer Allgemeinärztin mit Spezialisierung auf Borreliose. Wieder privat zu zahlen! Ich bin mir jedoch noch nie so sicher gewesen, so kurz vor dem Ziel zu sein wie jetzt. Eventuell habe ich nun endlich einen Ausweg aus meinem Strudel gefunden??? Bitte Gott! Ich werde weiter berichten…

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü